Hoher Kontrast

Dresden: Eine islamistische Ikone? Von Naftali Neugebauer

Gedenken sind stets ein schwieriges Thema; zu Recht. Darum muss man Sorgfalt walten lassen.

Jede Kultur, jede Gesellschaft erinnert durch Symbole oder Denkmäler an ihre Toten. Es sind Symbole, die stets einen Kontext aufweisen und einen engen Bezug zu der eigenen Leidensgeschichte herstellen wollen. Manche Gesellschaften versuchen über ihr eigenes Leid hinauszublicken und suchen die universale Dimension herzustellen, wollen zumindest auf diese hinweisen und zu erkennen geben. Dieser Ansatz ist grundsätzlich positiv, denn er transzendiert das eigene Leid. Umso wichtiger ist es hier, die Wahrheit, den Kontext im Blick zu haben.

 

Beispielhaft kann man ausführen, dass das Hakenkreuz wie allgemein bekannt im Hinduismus eine andere Bedeutung aufweist als in Europa, in Deutschland. Die Empörung wäre vollständig zu Recht immens, würde man Hakenkreuze bei Mahnstätten des Holocausts errichten und bei dem zu erwartenden wie berechtigten Sturm der Empörung diesen abtun, man habe ja hinduistische Hakenkreuze gemeint. Formen sind kontextual und dieser ist zu beachten, mitzudenken.

 

In Dresden hat der Künstler Manaf Halbouni mit Unterstützung der Stiftung Kunst und Musik für Dresden und der dem politischen Platzet des OB von Dresden, Dirk Hilbert (FDP), drei Busse errichtet, die nun vor der Frauenkirche in Dresden hochkant stehen und einen Bezug zum Leid in Aleppo herstellen sollen. Diese drei Busse sollen an die Barrikade von Aleppo gegen die syrische Armee erinnern. Ohne Frage wurden unschuldige Zivilisten Opfer, aber diese Barrikade steht und stand für etwas anderes. Etwas, was nichts mit Freiheit zu tun hat.

 

 

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Ammar Abdullah / Reuters (Quelle The Atlantic)

 

 

 

 

Sie wurde im März 2015 von der islamistisch-salafistischen Terrororganisation Ahrar el-Sham im Viertel Bustan al-Qasr von Aleppo errichtet. Ihre Fahne weht auf der Spitze der hochkant gestellten Busse, wie deutlich in einem Bild im The Atlantic zu erkennen ist. Diesen Zusammenhang zu unterschlagen, ist ein Skandal. Die Proteste richten sich nun nicht aber gegen diese Tatsache, sondern verfolgen ihre eigenen revisionistisch-rechtsextremistischen Interessen und versuchen daraus billiges politisches Kleingeld zu schlagen. So kommt es, dass sowohl das Mahnmal als auch der Protest gegen dieses Mahnmal in eine völlig falsche Richtung laufen wie auch die sich daran entzündende Debatte.

 

Morddrohungen gegen den OB von Dresden stehen sogar im Raum. Eine völlig inakzeptable Wendung. Und ja, dem OB von Dresden ist zuzustimmen, wenn er grundsätzlich sagt: "„Es ist wichtig, nicht nur der Opfer von damals zu gedenken, sondern auch die der heutigen Zeit nicht zu vergessen“. Eine universelle Dimension zu suchen, ist richtig und wichtig. Aber man muss bei der Auswahl von Symbolen Obacht walten lassen, sie kritisch prüfen und den Kontext aus dem sie kommen beachten. Dies hat man augenscheinlich nicht gemacht.

 

Der Künstler will seine Statue als "moderne Freiheitsstatue" verstehen. Was Freiheit mit einer islamistisch-salafistischen Terrororganisation zu tun habe, bleibt wohl sein Geheimnis.

 

 

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Kommentare (3)

  • Beate Kraml vor 6 Monaten
    Guter Kommentar!

    Sachverhalte, die derart kompliziert sind, wird man leider nur mehr der Minderheit einer Minderheit vermitteln können - jenen hellwachen Zeitgenossen, die sich intensivst und aus verschiedensten Medien informieren. Tatsache ist, dass der Künstler eine von Terroristen errichtete Straßenblockade in Aleppo instrumentalisiert und zu einem "Friedenssymbol" umgedeutet hat. Damit müssen die Verantwortlichen (Jury, Politik) konfrontiert werden. Die Menschen, die in Dresden auf die Straße gegangen sind, wussten das gar nicht. Sie folgten offenbar einem Gefühl, missbraucht zu werden. Dabei gehen sie auch von falschen Prämissen aus - das Gefühl trügt aber letztendlich nicht.

  • Beate Kraml vor 6 Monaten
    Fundstück aus der Website des Künstlers

    Mehr als seltsame Visionen hat Manaf Halbouni, der Errichter des Dresdner "Friedensdenkmals", was Europa betrifft.
    Er schreibt (Rechtschreibung wie im Original):
    Bei meinem Kartenprojekt „What if“ stelle ich mir den Ablauf der Weltgeschichte anders vor.
    "In der Fiktiven Welt die ich erschaffen habe, hat die Industrie Revolution im Arabischen so wie Osmanischen Reich stattgefunden. Somit sind zwei Mächte hervor gekommen die die Welt mit Waffen sowie Technologische Errungenschaften beliefern. Auf der Suche nach Ressourcen und Absatzmärkte, begann man mit den Kolonialisierung Europas.
    Bei der Kolonialisierung wurden neue Grenzen erschaffen um Europa unter zwei Mächten aufzuteilen ohne Rücksicht auf die Verschiedenen dort lebenden Völker.

    Die entstandenen Kampfkarten, Verzeichnen den lauf der Truppen und dessen verschiedenen Verbänden so wie wichtige Militärische Ziele. Die neu Eroberten Städte werden Teils umbenannt oder übersetzt. Lädiglich ein Par Große Städte dürfen ihren Namen behalten."
    https://www.manaf-halbouni.com/work/what-if/

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