Hoher Kontrast

© Darmbereich: Viele Mikroorgansimen vor Ort (Foto: pixelio.de, hofschlaeger)

Mensch besteht zum Großteil aus Mikroorganismen

Forscher: "Bakterien und Viren machen 57 Prozent unseres Daseins aus"

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San Diego/Tübingen - Bakterien, Pilze, Viren und Archaeen machen 57 Prozent des menschlichen Körpers au. Zu dieser Schlussfolgerung kommt Robert Knight, Forscher der University of California San Diego, in seiner neuen Studie. Entgegen vorheriger Annahmen, dass Bakterien und Co nur ein Zehntel des Menschen ausmachen und vor allem Wasser der Hauptbestandteil sei, ist der Anteil menschlicher und mikrobakterieller DNA laut den neuen Erkenntnissen fast ausgewogen. Einer der Hotspots des Körpers für Mikroorganismen: der Darm.

 

Darmbakterien mit viel Einfluss

 

"Was uns zu Menschen macht, ist die Kombination aus eigener DNA und DNA unserer Darmmikroben", sagt auch Mikrobiologe Sarkis Mazmanian vom California Institute of Technology. Es sei naiv, zu denken, dass wir "so viel mikrobisches Material mit uns herumschleppen, ohne dass wir damit interagieren oder dass es einen Effekt auf unseren Körper hätte", wie der Wissenschaftler betont.

 

"Mikrobielle Zellen sind sehr klein im Vergleich zu menschlichen Zellen. Wenn man sie also zählt, gibt es ungefähr die gleiche Anzahl von beiden, die den Körper ausmachen. Wenn man sie jedoch wiegt, erreichen die mikrobiellen Zellen für einen Erwachsenen vielleicht höchstens ein halbes Kilogramm", erklärt Ruth Ley vom Max-Planck-Institut. "Das ist immer noch genug, um ein 'mikrobielles Organ' zu bilden - besonders im Darm. Wir haben also ein mikrobielles Organ in unserem Körper, das während unserer Lebenszeit zusammengesetzt wird. Zusammen kodieren diese mikrobiellen Zellen 150 Mal mehr Gene als unser eigenes Erbgut."

 

Mikroorganismen spiegeln Leben

 

Forscher Knight hat in einem Experiment vom Menschen stammende Mikroorganismen in Mäuse verpflanzt, die in einer komplett sterilen Umgebung geboren wurden. Das Ergebnis: "Wir konnten beweisen, dass verpflanzte Bakterien aus menschlichen Stuhlproben Mäuse dicker oder dünner machten - je nachdem, ob es sich um Bakterien von schlanken oder fettleibigen Menschen handelte", so Knight.

 

Wenngleich das Ergebnis erstaunlich ist, stellt sich laut Knight nun die Frage, ob diese Methode auch andersherum, also auf den Menschen, anzuwenden ist. Ebenso sind diese Erkenntnisse seiner Meinung nach eine große Hoffnung für das Anwendungsgebiet von Mikroorganismen als Medizin. Der Wissenschaftler erklärt, dass aktuelle Forschungen auf die Wirkweise der in uns lebenden Mikroorganismen hinweisen und diese unsere Gesundheit in einem Maße beeinflussen, wie wir "es uns bis vor Kurzem noch gar nicht ausmalen konnten".

 

"Goldmine an Informationen"

 

Ley spricht eine weitere, wichtige Erkenntnis neuester Studien an: Die Wissenschaft habe in den vergangenen Jahrzehnten hervorragende Arbeit, beispielsweise gegen Infektionskrankheiten, geleistet. Dennoch sei der Anstieg an Autoimmunkrankheiten und Allergien in diesem Zeitraum erschreckend hoch. Auch andere Wissenschaftler sprechen deshalb von einer "Goldmine an Informationen", wenn es darum geht, welchen Anteil Mikroorganismen an der Bildung körperlicher Merkmale ausmachen.

 

Die Arbeit gegen die Krankheitserreger hat Ley zufolge dazu beigetragen, dass neue Erreger entstehen konnten, mit denen man sich nun in Zukunft auseinandersetzen müsse. Für Knight hingegen steht bereits jetzt fest: "Die Vorstellung, dass ein Teelöffel Stuhl mehr DNA-Daten enthält, als auf einer Tonne an DVDs abzuspeichern ist, ist einfach unglaublich."

 

 

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