Hoher Kontrast

© Mena Watch

Ein Antisemit als Idol beim Jüdischen Filmfestival Wien

Am 4. Oktober 2017 wurde im Rahmen des Jüdischen Filmfestivals Wien der Dokumentarfilm „A Life for the Revolution“ von Doris Kittler gezeigt.

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Das vorgebliche Ziel des Films, die jüdisch-britische Sozialistin Chanie Rosenberg zu portraitieren, tritt dabei jedoch in den Hintergrund. Stattdessen liefert er in erster Linie Propagandamaterial für Jeremy Corbyn und den antisemitischen Turn der britischen Labour Party unter dessen Führung. Corbyn wird als Idol verklärt und der wachsende Antisemitismus in der Partei als Bagatelle verharmlost.

 

 

 

 

In der Dokumentation wird erwähnt, dass Rosenberg einst als Zionistin in Eretz Israel gelebt hat. Gleichzeitig wird ihre heutige Begeisterung für Corbyn und die Labour Party dargestellt. Dies suggeriert, dass es nicht nur kein Problem sei, sondern auch frei von Widersprüchen wäre, als Zionistin für Corbyns Partei einzutreten. Die antizionistischen und antisemitischen Ausfälle des Parteivorsitzenden und anderer hochrangiger Mitglieder werden in der Dokumentation völlig ausgeblendet und somit vertuscht. Gezeigt wird ausschließlich Rosenbergs persönlicher Enthusiasmus für Corbyn.

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Der Film leistet, indem er den Antisemitismus der Labour Party vollständig ausspart und nahelegt, auch Zionisten könnten Partei für Corbyn und Co. ergreifen, damit jenen Vorschub, die behaupten, es gebe überhaupt keinen Antisemitismus in der Labour Party und Corbyn sei mit seinen Positionen auf dem richtigen Weg. Dass eine solche Auffassung fatale Konsequenzen mit sich bringt, hat die jüngste Vergangenheit vor Augen geführt.

 

Einige bekannte Fürsprecher Corbyns betonen immer wieder, dass innerhalb der Labour Party kein Antisemitismus zu finden sei – so etwa der Filmemacher Ken Loach erst kürzlich in einem BBC-Interview: Wenige Augenblicke nach dieser Aussage verriet Loach sich jedoch selbst und behauptete vor laufender Kamera freimütig, dass zu diskutieren sei, ob der Holocaust stattgefunden habe oder nicht. Auf welchen Begriff von Antisemitismus Loach rekurriert, kann nur spekuliert werden, wenn die Leugnung des Holocaust für ihn nicht unter diesen fällt. Auch auf der offiziellen Labour Party Conference diesen September plädierte ein Vortragender, Miko Peled, öffentlich für das Recht, den Holocaust infrage zu stellen.

 

Darüber hinaus verglich er – ähnlich wie bereits der ehemalige Londoner Bürgermeister Ken Livingstone vor ihm – Zionisten mit Nazis und erntete für diese Aussage Zuspruch innerhalb der Partei. Dass solchen Aussagen und solcher Stimmung auch Taten folgen, ist leider nicht überraschend. So wurden auf derselben Konferenz vorletzte Woche Flugblätter verteilt, die zum Ausschluss des Jewish Labour Movement aus der Labour Party aufriefen.

 

 

 

 

Unter Jeremy Corbyn hat der Antisemitismus innerhalb der Labour Party rapide zugenommen. Dies liegt nicht zuletzt an seiner eigenen Person. Er unterstützt offen die beiden Terrororganisationen Hamas und Hisbollah, die sich die Vernichtung Israels auf die Fahnen geschrieben haben. Corbyn bezeichnete sie öffentlich als „seine Freunde, die Frieden und Gerechtigkeit in der Region bringen würden“. Im letzten Jahr wurde Shami Chakrabarti mit einer internen Untersuchung zu etwaigem Antisemitismus in der Labour Party beauftragt.

 

Ihr Bericht kommt jedoch zu dem einseitig recherchierten Schluss, dass es kein Problem gebe. Dem widerprechende Einschätzungen von Zeugen, Parteimitgliedern und Experten wurden einfach weitestgehend übergangen, wie die im Anschluss entstandene Dokumentation „Whitewashed: Anti-Semitism in the Labour Party“ darlegt, in der diese kritischen Stimmen zu Wort kommen. Wo jedoch nicht gesucht wird, kann auch nichts gefunden werden.

 

 

Das Ausblenden des Antisemitismus ist keinesfalls so harmlos, wie es die Regisseurin Doris Kittler im anschließenden Q&A meinte. Solches Verschweigen trägt dazu bei, die antisemitischen Ausfälle Corbyns zur nicht weiter erwähnenswerten Bagatelle zu verharmlosen und redet Menschen das Wort, die behaupten, die Partei sei frei von antijüdischen Ressentiments. Dementsprechend wird es für Personen, die den Antisemitismus der Labour Party kritisieren – wie beispielsweise die ParteiMitglieder David Hirsh und Lesley Klaff – immer schwieriger, überhaupt gehört und ernst genommen zu werden.

 

Kittlers Film kann umstandslos als Referenz dienen, um die Labour Party von jedem gegen sie gerichteten Antisemitismusvorwurf reinzuwaschen. Verschwiegen wird etwa bis zum Schluss, dass Rosenberg selbst während ihres so prominent ins Feld geführten Israelaufenthalts zur Antizionistin wurde, weswegen sie schließlich auch nach Großbritannien übersiedelte. Es wird also nicht nur Rosenbergs Person verzerrt dargestellt, sondern dem Publikum bleibt auch der falsche Eindruck, sie wäre als jüdische Zionistin überzeugt von Corbyn.

 

„A Life for the Revolution“ funktioniert also wie die Labour-Untersuchung zum Antisemitismus in der Partei und verschweigt zentrale Fakten, die die zu erzählende Geschichte stören könnten. Indem der Film Corbyn und damit den antisemitischen Turn der Labour Party in den letzten Jahren verklärt und idealisiert, trägt er dazu bei, einen fruchtbaren Boden für den Antisemitismus auszubauen.

 

Es überrascht, dass auf einem jüdischen Filmfestival ein Film über die Labour Party gezeigt wird, der deren virulenten Antisemitismus ausspart und einen Antisemiten zum Idol verklärt. Dass die Regisseurin des Dokumentarfilms, Doris Kittler, die im Übrigen auch Kuratorin des Jüdischen Filmfestivals Wien ist, den Nachfragen aus dem Publikum zu Antizionismus und Holocaustleugnung einfach ausgewichen ist, zeugt im besten Fall von Unwissenheit oder aber von Mutwilligkeit und damit dem bewussten Akt, einen Pro-Corbyn-Film zu drehen. Letzteres liegt näher. Schließlich bewegt sich Kittler selbst im Umfeld der Wiener Linkswende, einer Organisation, die offen zu einer „dritten Intifada“ aufruft und davon schreibt, dass Israel endlich „in die Knie“ gezwungen werden müsse.

 

Am Samstag, den 14. Oktober 2017, steht „A Life for the Revolution“ ein weiteres Mal auf dem Programm, wieder mit einem anschließenden Gespräch mit der Regisseurin. Wenn der Film schon unbedingt ein zweites Mal gezeigt werden muss, dann sollte dies wenigstens nicht geschehen, ohne im Rahmenprogramm dessen gravierende Ausblendungen zu thematisieren.

 

 

Mit freundlicher Genehmigung von Mena Watch


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